Jahresrückblick 2025: Traum oder Realität? 

Was wünscht man sich im Leben nicht alles? Neben Gesundheit eine glückliche Beziehung, Kinder die man voller Stolz betrachtet, Erfüllung von Wünschen. Wünsche können hoch hängen, sind oft unerreichbar und selbst wenn man unzählige Stühle aufeinanderstapelte, wie käme man zu den Wolken? 

In meinem bisherigen Leben stellte ich beharrlich einen Stuhl auf den anderen. Das „oben“ interessierte nur im Unbewussten. Träume, ein allgemeingültiges Lebenswerk zu hinterlassen, auf einer großen Bühne präsent zu sein, gar ein Sinfonieorchester zu dirigieren, alles unvorstellbar.

… und doch? In meinem Jahresrückblick 2025 tun sich kleine Wunder auf.

Akt I – Orchester

Das erste Beben kündigte sich Ende 2024 mit einer negativen Botschaft an. Ein Freund, Leiter des Streichorchesters der Musikschule Geislingen, hatte eine schwere Schulterverletzung. Eine Frage stand im Raum, sollte das Adventskonzert abgesagt werden? Bescheiden kam er auf mich zu, „machst Du´s?“ Es genüge, nur sauber den Takt zu schlagen. Ziel muss sein, die Gemeinschaft, die Gruppe, 9 Mädels und einen Jungen, also das Orchester am Leben zu erhalten. Unbedarft sagte ich ja, sinnend stand ich vor den 10 Augenpaaren.  

Als „Holger“ auskuriert im Frühjahr zurückfand, stand ich vor einem Sinfonieorchester mit knapp 50 Personen. Nach dem genannten Adventskonzert hatte sich ein Interesse breitgemacht, dabeizusein. Holger unterstützte mich zudem fleißig aus dem Hintergrund. Es folgte das Sommerkonzert mit Werken von Beethoven, Schubert, Filmmusik zu „Herr der Ringe.“ Aufbrausender Applaus beim Adventskonzert 2025 mit Mendelssohns Reformationssinfonie: …und noch immer stand ich am Pult.

Akt II– „Die Schubartoper“

Theaterstücke hatte ich geschrieben, … vor Jahren. Zwischenzeitlich zerbrach mein Interesse an dieser Tätigkeit. Aufgeführt werden die Stücke noch immer, meistens allerdings im Ausland, … Österreich, Südtirol. 

Eine schlichte Stadtführung für die Vorstände der Schubartgesellschaft in 2024, sollte ebenfalls seine Früchte zeigen. Ich darf mich nicht als Schubartspezialist hervorheben, doch teile ich mein Wissen sicher nicht mit sehr vielen. Den Eindruck, den mein Vortrag hinterlassen hatte, war wohl durchschlagend. Um Szenen aus dem Leben Schubarts in Verbindung mit seiner Musik wurde ich gebeten. Wacker schrieb ich drauflos. Als der Aufführungsort, das Barockschloss Ludwigsburg, definitiv zur Sprache kam und ich um die Regiearbeiten gebeten wurde, wurde ich nachdenklich. Robert Bärwald, Pianist und Vorstandsmitglied der Haakestiftung, zwischenzeitlich ein guter Freund, setzte alles daran, das Werk an dem edelsten der schwäbischen Orte umzusetzen. Proben fanden in der Stuttgarter Musikhochschule statt. Der wunderbare Bassist Gabriel Fortunas hatte meine sehr anspruchsvollen Texte schnell parat und verkörperte einen überzeugenden C. F. D. Schubart. Am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, öffnete sich der Vorhang für meine Schubartoper „Die Macht der Musik.“ 

AKT III – Der König der Romane

Mein Lebenswerk in 2025 zu vollenden, das erträumte ich mir. Ich spreche von meinem Romanprojekt „1000 Höllen bis zur Gegenwart.“ 3500 getippte Seiten lagen zum Jahresbeginn vor mir, ca. 2000 in 5 Büchern bereits veröffentlicht. 2023 war die Katastrophe eingetreten, das Lektorat in sich zusammengebrochen. Seither schrieb ich täglich unbeirrt weiter und legte Blatt auf Blatt. Bettina Verheyen erschien wie ein Engel. Sie, die früher in Verschiedenen meiner Theaterstücke mitgespielt hatte, hatte sich als Lektorin selbstständig gemacht. Wir schauten uns an. „Wagst du dich daran?“ Manchmal braucht man keine Antworten. Zu zweit warfen wir uns in die Arbeit und bis November 2025 lag der vollendete Roman vor uns: 4200 Seiten – die fehlenden fünf Bücher gingen in Druck.

Dann die Überraschung: Zettels Traum galt bislang als der längste deutschsprachige Roman. Die Stadtbücherei Geislingen legte sich ins Zeugs und besorgte die nötigen Unterlagen. Es wurde gezählt, gerechnet. Schnell stand es fest, die „1000 Höllen“ gerieten nicht nur zum längsten deutschsprachigen Roman, sondern ebenfalls zum umfangreichsten Abenteuer-, Jugend-, Historien- und Bildungsroman weltweit. 

Intermezzi – Die Welt unter der Decke

Wenn auch alles zu mehr als erfreulichen Ergebnissen kam, so darf man die Stunden der Vereinsamung und bitteren Erlebnisse bei der Stoffsammlung (z. B. in Auschwitz) nicht verschweigen. Stellt man sich einem derartigen gewaltigen Romanprojekt, tritt man Erfahrungen gegenüber, die der normale Schriftsteller nicht kennt. Abgesehen von der Konzentration, die benötigt wird, ein derartiges Werk spannend, fantasievoll und packend im Griff zu behalten, sind es die äußeren Faktoren, die dem nicht standhalten können. Ich sprach bereits vom ersten Lektorat, das aus den Fugen kippte. Ich fand mich in Marcel Prousts Bemerkungen zu dessen Erfahrungen. Wie sich doch alles spiegelte. So erklärte ich das, was belastete zur Normalität. Es wärmte.

Zudem: Ablenkung tat not. Lesungen bei Schülern aus meiner Schwebewesentrilogie, Vorträge bei Senioren (z. B. „Was lernen wir aus der Geschichte“), wunderbare Erlebnisse bei Projekten mit Nachwuchskünstlern, wie Sonja Kowollik, Jakov Pavlenko oder Ido Ramot waren Balsam.

AKT IV – Kulturherbst Geislingen

Es ist eine liebenswerte Einrichtung in unserer Stadt, der jährliche Kulturherbst und natürlich unterstütze ich ihn von Herzen. In 2025 ließ ich mir etwas Besonderes einfallen: Eine Führung in das wunderschöne Rohrachtal und dabei der Vortrag von 24 Gedichten in den 24 Tonarten. Isabelle Strache, kurz Isi, stand mir beiseite. Ob wir mit vielen Besuchern rechnen durften? Nein, keinesfalls.

Und wieder lag ich falsch. Die mutigsten Erwartungen wurden bei weitem Übertroffen. Da capo klang es am Ende. Wohl wird die Aktion in unsere Stadtführungen eingebettet.

Pst…. Isa weiß es noch nicht.

Epilog – und nun?

…und nun? Jahresende. Anfang Dezember fühlte ich mich befreit, …befreit von einem gewaltigen Aufgabenkomplex. 

2026? Wandern, gut Kochen, das waren die Vorhaben, auf die ich mich beschränken gedachte. Klar, es gab bereits Termine für Vorträge, Lesungen, Rufe nach einer Vortragsreihe auf youtube, einem Podcast, schließlich hatte ich in den „1000 Höllen“ die ganze Menschheitsgeschichte auf aktuellen wissenschaftlichen Kenntnissen aufgearbeitet.

Es gibt Augenblicke, da machen sich die Dinge selbstständig. Das Orchester sollte ich behalten, für 2027 – dem Beethovenjahr – wird bereits das Violinkonzert und die Pastoralsinfonie ins Auge gefasst. Das Projekt „Die Macht der Musik“ scheint Wurzeln zu schlagen, mir gegenüber wurden weitere Aufführungen angesprochen, angeblich wird gar eine Verfilmung erwogen. Ist der Traum noch nicht ausgeträumt? 

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2 Kommentare

  1. Wow, mich hast du gleich ganz am Anfang mit der Formulierung „Wünsche können hoch hängen, sind oft unerreichbar und selbst wenn man unzählige Stühle aufeinanderstapelte, wie käme man zu den Wolken?“. Wie poetisch ist das denn?

    Träume sind nie ausgeträumt! Ich wünsche dir ein grandioses 2026!

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